Die Persönlichkeitsentwicklung eines Kindes, die Wahrnehmung der Umwelt und die Verständigung mit anderen sind an Sprache und Sozialisation gekoppelt. Gute Deutschkenntnisse sind eine Grundvoraussetzung für gelingende Integration. Sie sind der Schlüssel zu schulischem Erfolg. Deshalb sollte besonders für Kinder, deren Erstsprache nicht Deutsch ist, eine optimale Form der Sprachförderung schon vor der Einschulung beginnen. Doch Deutschkenntnisse allein genügen nicht. Integration setzt kulturelle Offenheit voraus. Das Wissen um die persönliche Prägung durch Kultur, Tradition, Religion und Mehrsprachigkeit ist unerlässlich für eine gute Zusammenarbeit von Erzieherinnen und Erziehern mit Kindern und Eltern. Es ist besonders wichtig, dass die Eltern in die Arbeit der Kindergärten einbezogen und frühzeitig über das deutsche Bildungswesen informiert werden, damit sie den Bildungsweg ihrer Kinder aktiv begleiten können.

Mit seinen drei Bausteinen Sprachförderung, interkulturelle Bildung und Elternarbeit geht frühstart auf diese Anforderungen ein und legt bereits im Kindergarten den Grundstein für Integration und schulischen Erfolg. Im Sinne einer umfassenden Integrationsförderung will frühstart zudem zu einer besseren Vernetzung der Akteure im Bereich Bildung und Integration vor Ort beitragen.

In dem Projekt gestalten Stiftungen, Migrantenvereine, Ministerien und Städte Integration gemeinsam: frühstart wurde 2004 von der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung, der Herbert-Quandt-Stiftung und der Türkisch-Deutschen Gesundheitsstiftung entwickelt und in Zusammenarbeit mit dem Hessischen Sozialministerium, dem Hessischen Kultusministerium und den beteiligten Städten Frankfurt am Main, Gießen und Wetzlar an zwölf Kindergärten mit großem Erfolg erprobt.

Die Projektpartner haben sich daher entschieden, frühstart hessenweit auszuschreiben. Seit September 2008 nehmen insgesamt 36 Kindergärten in zehn Städten am Projekt teil. Als neuer Projektpartner konnte die Gölkel Stiftung gewonnen werden.

Bausteine

Erfolge

frühstart legt bereits im Kindergarten den Grundstein für Integration und schulischen Erfolg. Das Projekt umfasst drei Elemente:

frühstart wurde von Beginn an wissenschaftlich begleitet. Die Ergebnisse nach der dreijährigen Modellphase:


Sprachförderung
Erzieherinnen und Erzieher werden durch eine umfangreiche Fortbildung in die Lage versetzt, Kindern mit Sprachförderbedarf, insbesondere Kindern mit Migrationshintergrund, in Kleingruppen Deutsch zu vermitteln und Sprachförderung zum Gegenstand ihrer täglichen Arbeit zu machen.



Sprachverständnis, Sprachproduktion, Lautbildung und Wortschatz – in nahezu allen Bereichen haben sich die Kenntnisse der deutschen Sprache der frühstart-Kinder im Vergleich zur Ausgangssituation deutlich verbessert. Teilweise haben sie die Vergleichsgruppe mit Kindern deutscher Muttersprache in ihrer Sprachentwicklung überholt.

Interkulturelle Bildung
Miteinander statt Nebeneinander: frühstart vermittelt Erzieherinnen und Erziehern sowie Elternbegleiterinnen und Elternbegleitern Kenntnisse über kulturelle Prägung und Wissen über unterschiedliche Kulturen. Ihre Fähigkeiten zu vorurteilsbewusstem und dialogförderndem Handeln werden gestärkt.


Nach den intensiven Schulungen zu interkulturellen Themen arbeiten die Erzieherinnen und Erzieher kompetenter mit Kindern mit Migrationshintergrund. Auch der Kontakt zu den Eltern hat sich deutlich verbessert.


Elternarbeit
frühstart frühstart bildet mehrsprachige Elternbegleiterinnen und Elternbegleiter aus. Sie informieren und beraten Eltern mit Migrationshintergrund und ermöglichen ihnen so eine aktive Teilnahme am Bildungsweg ihrer Kinder.



Die Elternbegleiterinnen und Elternbegleiter haben ebenfalls von den Schulungen sehr profitiert: Ihr Kontakt zu den Eltern hat sich während der Projektlaufzeit deutlich intensiviert. Vielfach ist es ihnen gelungen, die Eltern zur aktiven Beteiligung an der Förderung ihrer Kinder zu motivieren.